Ihr Ausstieg aus der Sackgasse

Kommt nach dem Immobilienschock nun der LV Schock?

ÜBERSICHT DER RISIKEN.. 3
        Laufzeit3
        Unternehmensrisiko. 4
        Prämienrisiko. 4
        Währungsrisiko. 4
        Zu Grunde liegender Wert4
        Gesetzgebung. 5
        Aufsicht5
        Mythen und Märchen. 5

    ÜBERSICHT MYTHEN UND MÄRCHEN:6
        AUFGEDECKTE MYTHEN.. 6
        LIFE SETTLEMENTS IM ALLGEMEINEN.. 6
        Lebenserwartungen. 8
        PRÄMIEN.. 10
        RÜCKVERSICHERUNG.. 11
        ETHIK.. 11
        SONSTIGE. 13

 

Seit 2002 gibt es in Deutschland die Möglichkeit sein Geld in US-Lebensversicherungspolicen zu investieren. Im Unterschied zu England und Deutschland handelt es sich bei den auf dem US-Markt zum Kauf angebotenen Policen überwiegend um Todesfallversicherungen mit Sparanteil (universal life, whole life) oder ohne Sparanteil (term life).

Das bedeutet, der Investor muss auf den Tod des Versicherungsnehmers warten bevor er an sein geplantes Geld kommt.

 2007 wurden aus Deutschland heraus für über 7,5 Milliarden Euro amerikanische Zweitmarkt-Lebensversicherungspolicen eingekauft. Investoren sind vorwiegend Fondsanbieter, Hedgefonds und vor allem Banken, die nach dem Desaster auf dem Immobilienmarkt Ihre Gelder in neue Möglichkeiten unterbringen wollen.

Noch im Jahre 2003 jammerten die damaligen Anbieter von Fonds- allen voran H.D. Hösch von Lifebond – es gäbe nicht genug geeignete Policen um den Fonds mit einer Investitionshöhe von 25 Millionen Dollar zügig zu füllen. In zahlreichen Interviews wurde dieses auch thematisiert.

Der Ankauf von geeigneten Policen war dann auch das größte Problem für die ersten Nachahmer von US-Policenfonds. Damals lag das gesamte Ankaufsvolumen aller Aufkäufer bei rund 150 Millionen Dollar.

Wenn nun aber jemand denkt, durch die Steigerung auf das 50-fache des gesamten Jahresumsatzes innerhalb von 4 Jahren würden sich diese Probleme auch um das 50-fache steigern, der sieht sich einer wundersamen Marktveränderung ausgesetzt. Nicht zu wenige Policen gibt es plötzlich, nein es sind zuwenige Investoren.

Landauf, landab rennen US-Policenverkäufer durch Europa und versuchen US-Policen im großen Stil an institutionelle Investoren zu verhökern. Und die Portfolien sind nahezu unendlich. Insbesondere in Deutschland finden diese dankbare Abnehmer. Es ist nicht verwunderlich, dass es sich hierbei oft um die gleichen Personen und Firmen handelt, die schon zur Jahrtausendwende riesige Kreditvolumen von US-Immobiliendarlehen vermittelt haben.

Genau wie einst bei den Immobilienkrediten, die von USA nach Deutschland geschwappt sind, werden Risken als einfach nicht existent betrachtet. Dabei kennt jeder, der sich 10 Minuten im Internet darüber informiert sämtliche Risiken.

Und die Investoren – damit sind vor allem Banken, Emissionshäuser und andere institutionelle Investoren gemeint – kennen auch die Risken und wissen, dass diese nicht abzusichern sind. Die amerikanische ‚Securities and Exchange Commission' stuft Anlagen in Life Settlements als riskante Anlageformen ein und rät Anlegern zu gründlicher Untersuchung.
 

ÜBERSICHT DER RISIKEN

Sie müssen sich der Tatsache bewusst sein, dass es Life Settlement-Produkte noch nicht lange gibt und es deswegen auch noch keinen liquiden Markt für den Handel von Life Settlement-Produkten oder daraus entwickelter Produkte gibt.

Im Folgenden finden Sie eine Liste der relevanten bekannten Risiken, denen Ihre Investition ausgesetzt sein kann. Diese Liste kann nicht vollständig sein. Wir raten Ihnen dringend, stets den Rat eines unabhängigen Experten einzuholen.

Laufzeit

Das wichtigste Risiko bei Investitionen in Life Settlements, ist die unbekannte Laufzeit. Es besteht die Möglichkeit, dass eine Police früher als erwartet ausgezahlt wird. Es kann aber auch länger als ursprünglich angenommen dauern. Letzteres hat zwei wichtige Konsequenzen. Die erste Folge einer längeren Laufzeit ist, dass die Rendite berechnet im Hinblick auf eine jährliche Rendite oder IRR niedriger als erwartet sein wird. In der zweiten Folge müssen länger als ursprünglich erwartet, Prämien gezahlt werden.

    Schätzung Laufzeit

Für die Schätzung der erwarteten Laufzeit greifen Anbieter auf externe Spezialisten zurück, die sog. „Life Expectancies" ('Lebenserwartungen') indizieren. Bevor ein Anbieter diese einsetzt, muss er die von den jeweiligen Instituten der Bestimmung zugrunde gelegten Methoden kennen. In den Grundzügen beruhen alle Methoden auf allgemeinen Sterbetabellen, die entsprechend individueller Umstände, wie z. B. der Krankheitsgeschichte angepasst werden. Allgemein anerkannte Institute in den USA sind:
21st Services, EMSI, AVS, ISC Services und Fasano.

Ungeachtet der Kompetenz dieser Institute kann sich eines Tages herausstellen, dass die eingesetzten Methoden zu falschen Schätzungen geführt haben. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Branche noch zu jung, um unter Einbeziehung von Erfahrungswerten die eingesetzten Methoden zu überprüfen.

Dies ist leider schon Realität geworden. Die Mutual Benefits Corp.(MBC) wurde bereits 2004 komplett geschlossen und deren Verantwortlichen angeklagt, weil diese eben gezielt falsche Berechnungen zur Lebenserwartung erstellt hatte. (Hier ist der Link dazu)

    Medizinische Innovationen

Medizinische Innovationen können dazu führen, dass manche Kategorien Menschen eine höhere Lebenserwartung haben als ursprünglich angenommen. Die Methoden der genannten Institute berücksichtigen dies bis zu einem gewissen Grad. Dennoch können individuelle Effekte größer als angenommen sein. Alleine die Überlebenschanchen bei Frauen mit Brustkrebs hat sich in den letzten 5 Jahren um über 30% verbessert.

    Statistik

Auf jeden Fall müssen Anleger sich bewusst sein, dass die eingesetzten Lebenserwartungen auf einer statistischen Schätzung der Lebensdauer einer relevanten homogenen Population mit ähnlichen Merkmalen wie die der untersuchten Person beruhen. Diese statistische Analyse hat kaum Bedeutung für das Ergebnis einer individuellen Situation. Die individuelle Laufzeit kann beträchtlich von der erwarteten Lebenserwartung abweichen. Im Klartext bedeutet dies, dass der einzelfall immer gegen die Statistik sprechen kann.

    Verteilung

Die tatsächliche Laufzeit einer Police wird mit Sicherheit von der erwarteten Lebenserwartung abweichen. Dies kann eine Abweichung nach oben oder nach unten sein. Demzufolge wird die Rendite entweder niedriger oder höher ausfallen. Die Bandbreite an erwarteter Rendite, die der Verkäufer Ihnen darlegt, wird durch die Breite und Zusammenstellung des Portefeuilles bestimmt. Als Faustregel gilt hierbei: je mehr versicherte Leben, desto besser ist das Produkt. Eine verantwortungsvolle Streuung beginnt bei ca. 100 bis 200 versicherte Leben. Falls in eine kleine Anzahl Leben angelegt wird, dann kann die Abweichung außergewöhnlich hoch sein und gewinnt die Anlage eher den Charakter eines „Glücksspiels".

Unternehmensrisiko

Falls Ihre Anlage nicht von einer unabhängigen Trustorganisation, Fonds oder sonst wie unabhängigen Partei verwaltet wird, sondern durch ein Unternehmen selbst, riskieren Sie bei einer Liquidation oder Schließung des Unternehmens den Verlust Ihrer Anlage. Aus diesem Grund müssen Sie stets darauf achten, dass die Geldströme getrennt sind und unabhängige Parteien Ihren Besitz schützen.

Selbst wenn die Verwaltung von Policen und Geldern in den kritischen Punkten gut geschützt ist, sind unabsichtliche Fehler bzw. Betrug, Managementfehler und / oder mangelhafte Kontrolle niemals vollständig auszuschließen.

Prämienrisiko

Im Hinblick auf die Prämienzahlungen müssen Sie feststellen, auf welche Weise die Organisation garantiert hat, dass diese stets rechtzeitig erfolgen werden. Falls Prämien nicht oder nicht rechtzeitig bezahlt werden, können Policen verfallen, wobei der wirtschaftliche Wert der Policen verloren geht. Eine Police erlischt gemeinhin einen oder zwei Monate nach Beginn des Verzugs. Falls Ihre Anbieter, aus welchen Gründen auch immer, dieser Verpflichtung nicht nachkommen können, entsteht eine Situation, in welcher Ihre Investitionen bedroht sind. 

Währungsrisiko

Sowohl Investitionen wie auch Auszahlungen amerikanischer Life Settlements erfolgen in US-Dollar. Das Verhältnis zwischen US-Dollar und Euro verlief über die letzten Jahre hinweg fluktuierend. Wenn der Kurs des US-Dollars im Bezug auf den Zeitpunkt der Investition sinkt, wird auch die gesamte Rendite, ausgedrückt in Euros niedriger als erwartet sein. Sollte der Kurs des US-Dollars allerdings steigen, dann wird die gesamte Rendite ausgedrückt in Euros höher liegen. Angesichts der langen und unsicheren Laufzeit von Life Settlements sind diese Risiken gar nicht bzw. nur durch sehr hohe Kosten zu decken.

Zu Grunde liegender Wert

Vor dem Erwerb einer Police muss eine 'due diligence'-Untersuchung der betreffenden Police durchgeführt werden. Diese Untersuchung betrifft u. a. eine Prüfung hinsichtlich der Solvabilität des Versicherers, des Alters und der Lebenserwartung des Versicherten, die eventuelle Anfechtbarkeit einer Police und der Hintergrund der betroffenen Parteien. Für die meisten Anbieter gilt, dass vor dem Abschluss des Kaufvertrages die unter Umständen zu erwerbende Police auch noch im Hinblick auf eine Reihe formeller Punkte von einem unabhängigen amerikanischen Experten kontrolliert wird. Dies ist häufig ein Treuhänder oder eine Trustgesellschaft, die für die Verwaltung verantwortlich ist. Wenngleich unwahrscheinlich, ist es jedoch niemals gänzlich auszuschließen, dass erworbene Policen derartige Fehler haben, dass ein Versicherer eine Ausschüttung aufschiebt oder weigert oder dass ein Versicherer in finanziellen Schwierigkeiten verkehrt, wodurch eine Auszahlung nicht, nur teilweise oder verzögert stattfindet.

Gesetzgebung

Investitionen in amerikanische Life Settlements unterliegen einer Vielzahl an Gesetzen und Regeln in den verschiedenen betroffenen Ländern, und innerhalb der Vereinigten Staaten der Regulierung des jeweiligen Staates. Es ist festzustellen, dass die angebotenen Produkte allen Regeln entsprechen und dass die Ausschüttungen von der amerikanischen Quellensteuer entbunden sind. Dennoch können Gesetze und Regelungen sowie ihre Auslegung im Laufe
der Zeit Änderungen unterworfen sein. Dies kann für bestehende Verträge Folgen haben, die nicht einzuschätzen sind. Im Allgemeinen respektieren Änderungen der Gesetz- und Regelgebung Verträge, die vor Inkrafttreten der Änderungen abgeschlossen wurden.

Aufsicht

Wenngleich es aus Sicht der Anleger offensichtlich ist, dass Life Settlement-Produkte Anlageprodukte sind, werden sie doch von verschiedenen Regulier- und Aufsichtinstanzen nicht als solche eingestuft. Dies hängt mit der Definition des Begriffes „Effekte" zusammen, wie in den verschiedenen europäischen Gesetzen festgelegt und häufig aus der „Markets in Financials Instruments Directive" (MiFID") abgeleitet.

Neben der Frage, ob Life Settlement-Produkte als „Effekte" einzustufen sind, kommt noch die Tatsache hinzu, dass diese Produkte häufig professionellen Anlegern angeboten werden. Die minimale Einstiegseinlage ist demnach oft so hoch, dass Anleger in den Genuss unterschiedlicher Freistellungen in der Regelgebung kommen können. Life Settlement-Produkte und ihre Anleger stehen somit nicht jederzeit unter Aufsicht. Die Tatsache, dass die Aufsicht für diese Produkte, aus welchen Gründen auch immer, weniger streng ist, als man dies vermuten würde, bedeutet, dass der Anleger selbst besonders vorsichtig sein muss und Expertenrat einholen muss, bevor er eine Investition tätigt.
 

Mythen und Märchen

Die Life Settlement-Branche ist jung mit vielen Anbietern in der Gründungsphase und wenigen echten Experten. Es ist darum auch nicht überraschend, dass man einander häufig nach dem Mund spricht und Missverständnisse nicht korrigiert werden. Ich gebe zu, dass auch ich schon Unsinn wiederholt habe, ohne den Wahrheitsgehalt überprüft zu haben. Ich hoffe, dass ich mit diesem Bekenntnis Vergebung erhalte.

Einige dieser Mythen (z. B. der „Clinton-Act“) sind ziemlich unschuldig, andere Missverständnisse (wie z. B. das Unverständnis hinsichtlich Life Settlements) sind wiederum schlichtweg schädlich und müssen wirklich beseitigt werden, um Probleme zu vermeiden.

Wichtig ist ferner zu verstehen, dass auch bei einigen Anbietern noch verschiedene Mythen erzählt und wiederholt werden, da man es selbst auch nicht besser weiß.

Nachfolgend habe ich eine Liste mit den häufigsten Mythen und Märchen erstellt und lade gerne jeden ein, diese Liste zu vervollständigen.

Denn nach der Auflistung werden die Mythen entzaubert.

ÜBERSICHT MYTHEN UND MÄRCHEN:



AUFGEDECKTE MYTHEN

LIFE SETTLEMENTS IM ALLGEMEINEN

„Die Rendite ist zu 100 % garantiert, weil jeder stirbt.“

Diese Behauptung ist eine gefährliche Verkürzung der Wirklichkeit und letztendlich vollständig falsch. Die Behauptung, dass jeder eines Tages sterben wird ist über jeden Zweifel erhaben. Die Schlussfolgerung, dass Renditen „100 %  garantiert“ seien oder dass eine wie auch immer geartete „100 %-ige Sicherheit“ bestünde, ist jedoch keinesfalls zutreffend.
Erstens wissen wir einfach nicht, wann jemand sterben wird. Renditen von Life Settlements (zumindest in Bezug auf jährliche Rendite) können deshalb unmöglich feststehen.

Zweitens sind vor der Ausschüttung der Police beim Kunden noch verschiedene notwendige Dinge zu klären. Im Folgenden eine kurze und gewiss nicht vollständige Übersicht der Risiken, die eine Ausschüttung in Gefahr bringen können:

  • Der Versicherer gerät in finanzielle Probleme
  • Der Versicherer zahlt nicht aus auf Grund von Problemen mit der Police
  • Die Prämien wurden nicht gezahlt. Die Police ist somit verfallen.
  • Der Anbieter benutzt die Auszahlung, um zunächst seine eigenen Schulden abzuzahlen.
  • Der Anbieter verschwindet mit der Auszahlung.
  • Es findet kein „tracking“ statt, d. h. der Tod des Versicherten ist unbekannt, es gibt zumindest keinen Totenschein.
  • usw.


Auszahlungen und Renditen sind NICHT 100 %  garantiert oder 100 % sicher. Selbstverständlich hat der Anbieter Maßnahmen getroffen, um die Risiken jetzt und in der Zukunft zu beherrschen und Probleme zu vermeiden. Aber zu suggerieren, dass es risikolose Anlagen gäbe ist falsch.

„Aufgrund des Unterschieds zwischen Auszahlungswert und Kaufwert wird jede Police Gewinn erzielen.“

Im Allgemeinen wird eine Police eine Wertsteigerung erzielen, sonst wäre die Branche nie entstanden. Dies trifft jedoch nicht auf alle Policen zu. Insbesondere in den letzten Jahren wurden in hohem Maße Lebensversicherungen auf die Leben wohlhabender älterer Amerikaner abgeschlossen. Die Versicherer sind nicht dumm und haben deswegen auch eine ansehnliche Prämie angerechnet. Eine Prämie von 5 % oder mehr für einen über 75-Jährigen ist gewiss nicht ungebräuchlich. Wenn ein 75-Jähriger mit einer Prämie von 5 % (die darüber hinaus noch steigt), noch 20 Jahre lebt (was gut möglich ist), dann ist der an Prämien gezahlte Betrag bereits größer als die Auszahlung. Berücksichtigt man eine Investition, um diese Police kaufen zu können, dann ist diese Police ein Verlustgeschäft (und dies bereits früher als nach 20 Jahren).

Policen können somit durchaus verlustreich sein.

Als Faustregel kann gelten, dass Life Settlements eine gute Chance auf eine gute Rendite bieten, wenn die Police bereits seit einiger Zeit läuft und man von „health impairment“ sprechen kann. Dies bedeutet, dass die Gesundheit sich (sehr) stark verschlechtert hat nach dem Abschluss der Versicherung. Zu diesem Zeitpunkt hat der Käufer dieser Police einen besseren (d. i. „erst kürzlich erworbenen“) Einblick in die Lebenserwartung als der Versicherer und ist die Chance auf eine gute Rendite größer. 

„Minimaler Gewinn oder minimale Rendite“

Da ein Investor nicht weiß, welche Laufzeit eine Police noch hat, bevor es zur Auszahlung kommt, weiß er auch nicht, welche Rendite er erzielen wird. Eine Person mit einer Lebenserwartung von fünf Jahren kann durchaus noch zwanzig Jahre leben. Wenn es keine Höchstgrenze gibt, wie lange Menschen am Leben bleiben können, dann gibt es auch kein Minimum im Hinblick auf die Rendite. Wie wir bereits sahen, kann eine Police auch verlustreich sein.

Theoretisch kann die maximale Laufzeit auf 100 Jahre festgesetzt werden. Danach sind Policen im Allgemeinen prämienfrei. Die Ergebnisse sind dann im Übrigen auch kein Grund zur Freude mehr. Ferner ist häufig noch undeutlich, wie sich die Prämien bis zu jenem Zeitpunkt entwickeln und wie lange die Person noch nach dem 100. Lebensjahr weiterlebt.

Auf eine individuelle Police ist somit keine minimale Rendite festzusetzen.

Bei einem großen Portfolio kann man mit Sterblichkeitschancen und Wahrscheinlichkeitsverteilungen arbeiten. In solchen Situationen können, unter bestimmten Annahmen, mit einer gewissen Bandbreite und einer gewissen Wahrscheinlichkeit, Aussagen hinsichtlich minimaler und maximaler Renditen gemacht werden.

„xx % der Policen verfällt vorzeitig („lapse“)“

Im Hinblick auf die Makro-Zahlen der amerikanischen Versicherungsindustrie kann man tatsächlich feststellen, dass ein großer Prozentsatz der Policen vorzeitig verfällt. Dennoch ist es eine Vereinfachung, diese Zahl auf die Policen zu extrapolieren, die als Life Settlements angeboten werden.

Die Policen, die als Life Settlements angeboten werden, sind häufig Policen, die in hohem Alter abgeschlossen wurden und dies darüber hinaus vom wohlhabenderen Teil der Bevölkerung. Dies ist, mit anderen Worten, nicht der typische Amerikaner, der seine Police verfallen lässt. Es ist vernünftiger anzunehmen, dass der „lapse“-Prozentsatz bei diesen Senioren eher bei 2 % bis 5 % liegt. Versicherer waren seit der Zunahme der Life Settlements vor fünf Jahren auch nicht müßig und rechnen diese niedrigere „lapse“ bei Älteren, die noch eine Police abschließen, an. Ferner bieten sich den Versicherten häufig auch neue Möglichkeiten. So ist es beispielsweise möglich, einen Teil des Auszahlungswertes bereits früher mittels eines Kredites oder eines sog. „accelerated death benefit“ aufzunehmen.

Die Behauptung, dass x % der Policen vorzeitig verfällt, kann vielleicht zutreffend sein. Sie ist jedoch kaum relevant für Policen, die als Life Settlements angeboten werden. Bei der Prämienfestlegung typischer Life Settlement-Policen berücksichtigen Versicherer mittlerweile kaum oder gar nicht die Vorteile verfallener Policen.

„Die Rückkaufswerte sind absurd niedrig.“

Die Rückkaufswerte („cash surrender values“) amerikanischer Universal Life-Policen erscheinen in unseren Augen in der Tat äußerst niedrig. Ein Rückkaufsrecht von 25.000 US $ einer Police im Wert von 1 Mio. US $ und einem Alter von 80 Jahren scheint unwahrscheinlich, ist jedoch eher die Regel als die Ausnahme.

Der Grund hierfür ist, dass die Policen im Gegensatz zu den in Europa üblichen „endowment“-Policen keinen „Sparanteil“ haben. Es sind pure Risiko-Todesfallversicherungen.
Dadurch kann die Prämie während einer langen Laufzeit sehr niedrig bleiben. Im Grunde wird die Prämie in dieser Zeit festgelegt als: Chance auf den Todesfall in x Jahren mal versicherter Betrag. Erst in hohem Alter wird die Prämie stark ansteigen. Die Möglichkeit des Todesfalls nimmt dann auch stark zu.

Die Rückkaufswerte der Policen werden von der Tatsache bestimmt, dass man versucht, die Prämien während bestimmter Zeiträume zu stabilisieren. Dies bedeutet, dass in den ersten Jahren der Periode Prämien angespart werden, um den Anstieg der „cost of insurance“ in der zweiten Periode aufzufangen.

Die meisten Life Settlements betreffen Universal Life-Policen. Diese Policen sind Risiko-Todesfallversicherungen im Prinzip ohne „Sparanteil“. Die Rückkaufswerte sind darum nicht mit den in Europa üblichen „Endowment“-Varianten zu vergleichen.

Lebenserwartungen

„Lebenserwartungen geben an, wie lange jemand aller Erwartung nach noch lebt.“

Ein gutes Verständnis der Lebenserwartung ist ausschlaggebend für ein gutes Verständnis von Life Settlements. Es herrschen eine Reihe sehr übler Missverständnisse hinsichtlich Lebenserwartungen, die mit einem allgemein verbreiteten Mangel an Wissen hinsichtlich der von Medical Underwriters angewandten Methoden und Techniken zusammenhängt.

Eine Lebenserwartung ist primär eine statistische Größe, die auf repräsentativen homogenen Bevölkerungsgruppen basiert, d. h. große Anzahl. Für die Berechnung der Lebenserwartung werden relevante Sterbetabellen zu Grunde gelegt. Für die individuelle Situation des Versicherten werden dann „Plus-„ und „Minus-Punkte verwendet. Neben dessen Gesundheit können auch soziale und andere Aspekte eine Rolle spielen.

Ist von Lebenserwartung die Rede, fixiert man sich häufig sehr stark auf die „Zahl“, z. B. sieben Jahre. Auch dies ist irreführend. Viel wichtiger als die „Zahl“ ist die Kurve, worauf sich die Lebenserwartung basiert. Die „Zahl“ ist von dieser Kurve abgeleitet (der Median) und bedeutet schlichtweg, dass erwartet wird, dass 50 % vor diesem Termin stirbt und 50 % danach (!).

Eine Fixierung auf die „Zahl“ der Lebenserwartung ist eine gefährliche Vereinfachung der Wirklichkeit. Die Kurve ist ausschlaggebend.
 
Lebenserwartungen haben keine oder kaum Bedeutung für individuelle Fälle. Die Bedeutung nimmt erst bei einer größeren Anzahl Policen zu.

„Statistiken beweisen, dass Lebenserwartungen zu 96 % zuverlässig sind.“

Medical Underwriters streben danach, ihre Methoden und Techniken jedes Jahr zu verbessern. Dazu bauen sie Bezugswerte auf, indem sie die Wirklichkeit mit den prognostizierten Erwartungen vergleichen. Diese „tatsächliche zu geschätzten“ Zahlen werden auf Websites und anderen Publikationen veröffentlicht.

Es ist jedoch ein Missverständnis, diese Zahlen als „Zuverlässigkeit“ oder „Genauigkeit“ zu interpretieren.

Es gibt wichtige Unterschiede zwischen „Zuverlässigkeit“ und „tatsächlichen zu geschätzten“ Zahlen (dies bedeutet im Übrigen nicht, dass diese Zahlen überhaupt nicht aussagekräftig wären).

In erster Linie müssen wir uns von der Lebenserwartung als Zahl verabschieden und uns auf die zugrunde liegende Kurve konzentrieren. Die Kurve gibt an, wie groß die Chance ist (bei einem Beispiel) im 1. Jahr, 2. Jahr, usw. bis hin zum letzten Jahr x+? zu sterben.

Projiziert auf alle abgegebenen Lebenserwartungen kann man somit nach vier Jahren feststellen, dass in Wirklichkeit beispielsweise 96 Menschen gestorben sind, wohingegen die erwartete Anzahl bei 100 lag: der „tatsächliche zu geschätztem“ Wert beträgt somit 96 %. Achtung: ein A/E-Verhältnis kann somit auch über 100 % liegen (wenn in Wirklichkeit 104 Menschen verstorben waren). Dies ist somit nicht dasselbe wie „Zuverlässigkeit“.

Was sagt dies nun über „Zuverlässigkeit“?

Zunächst müssen wir festhalten, dass erst seit ca. vier Jahren ausreichende Lebenserwartungen abgegeben werden, um einige Relevanz zu besitzen. Dies bedeutet, dass der Großteil der prognostizierten Lebenserwartungen (als Zahl) noch nicht erreicht wurde. Es ist auch noch undeutlich, in welchem Maße beispielsweise „Rückschläge“ bei kurzen Lebenserwartungen durch „Glücksfälle“ bei langen Lebenserwartungen (oder umgekehrt) kompensiert werden.

Kurz zusammengefasst kann man behaupten, dass A/E-Verhältnisse von unter 100 % bedeuten, dass die Medial Underwriter bislang im Allgemeinen zu „optimistisch“ waren. Wahrscheinlich, wird darum über 50 % der Versicherten länger als die Lebenserwartung leben (als Zahl).

Gleichzeitig beweist die Tatsache, dass die Werte sich um 100 % bewegen, dass die Medical Underwriters nicht totalen Unsinn behaupten und dass über das ganze Spektrum der Lebenserwartungen verteilt die Glücksfälle und die Rückschläge sich zu kompensieren scheinen.

Wie dem auch sei, es ist noch viel zu früh, um Aussagen über die Zuverlässigkeit treffen zu können. Zudem werden die Methoden noch stets weiter verfeinert und angepasst.

Medical Underwriters melden „tatsächliche zu geschätzten“ Prozentsätzen. Dies ist etwas ganz anderes als „Zuverlässigkeit“.

Wer also behauptet, dass es eine Zuverlässigkeit von 96 % gäbe, hat mit anderen Worten noch immer nichts begriffen.

„Zur Bestimmung der Lebenserwartung wird der Versicherte von einem Prüfarzt untersucht.“

Keineswegs. Wenngleich Versicherer gegebenenfalls Kandidaten für eine Versicherung tatsächlich untersuchen lassen können, führt kein einziger Medical Underwriter auch tatsächliche Untersuchungen über den Patienten aus, selbst nicht über dessen eigenen Hausarzt (GP – „general practitioner“). Medical Underwriters basieren sich auf den medizinischen Angaben, die auf den Antragsformularen beim Abschluss der Police gemacht wurden, ergänzt um andere (neuere) medizinische Angaben.

Achtung: ein Versicherter hat großes Interesse, so krank wie möglich zu erscheinen. Dies senkt seine Lebenserwartung und erhöht somit den Ertrag seiner Police.

Medical Underwriters setzen gleichwohl keine Prüfärzte ein.

PRÄMIEN

„Alle Prämien sind im Voraus bezahlt.“

Um Unheil zu vermeiden, ist es tatsächlich sehr wichtig, dass Prämien im Voraus bezahlt werden (oder dass es unbeschränkte Finanzierung dazu gibt). „Alle“ Prämien voraus zahlen grenzt jedoch an das Unmögliche und vielleicht sogar Unvernünftige.

Im Hinblick auf die Prämien gilt, dass ein Anbieter nicht weiß, (1) wie lange diese laufen werden und (2) wie hoch die Prämien ansteigen können.

Ferner stellt sich die Frage, an wen Vorauszahlungen geleistet wurden. Eine Vorauszahlung an einen Versicherer führt dazu, dass die bezahlten Prämien schlichtweg dem Versicherer zufallen. In nahezu allen Fällen werden somit die vorausgezahlten Prämien eher nicht „vorausbezahlt“ sein, sondern auf einem getrennten Konto innerhalb der Struktur reserviert sein.

Eine Prämienreserve in Bargeld hat zudem einen ziemlich niedrigen Ertrag. Das heißt: je mehr in Reserve, desto niedriger die Totalrendite (aber auch, desto niedriger das Risiko).

Es ist sehr gut möglich, den Versicherer um eine Übersicht für einen bestimmten Zeitraum bezüglich der zu zahlenden Prämie zu bitten. Dies wird als Veranschaulichung der Police bezeichnet. Im Allgemeinen wird diese Veranschaulichung der Police zumindest für die Lebenserwartung beantragt. Häufig wird dieser Zeitraum verlängert, indem beispielsweise die Lebenserwartung plus zwei oder plus 50 % genommen wird. Auf diese Weise kann eine Prämienreserve in der Tat präzise bestimmt und vorausbezahlt werden.

Die Vorauszahlung aller Prämien ist gleichwohl unmöglich (da man nie wissen kann, wie viele es genau sein werden) und die Vorauszahlung von zu viel Prämien ist unvernünftig.

RÜCKVERSICHERUNG

„Mit ‚A’ bewertete Rückversicherer“

Ich wage zu behaupten, dass es keine mit ‚A’ bewerteten Rückversicherer gibt, die das Risiko der Langlebigkeit („longevity“) rückversichern. Es gibt gewiss große Finanzinstitute, die allerlei Sorten Produkte zusammenstellen, die schließlich einem ähnlichen Ziel dienen. Bis zum Beweis des Gegenteils gilt jedoch:

Die Existenz von mit ‚A’ bewerteten Rückversicherern ist ein Märchen.

Übrigens gibt es durchaus Rückversicherer auf „Traum-Inseln in der Karibik oder im Indischen Ozean. Wenn Sie dort jedoch irgendwann Ansprüche geltend machen wollen oder einen Prozess anstrengen wollen.... Noch vor kurzem (Mitte 2007) wurde ein Anbieter eines Produktes mit einer ähnlichen Rückversicherung erwischt. Es stellte sich heraus, dass der Rückversicherer auf Vanuatu nicht existierte. 

Die erste Anforderung an einen Rückversicherer ist, dass dieser seinen Sitz in einem Land mit einem gut entwickelten juristischen System hat, damit Sie Ihre im Vertag festgelegten und bezahlten Rechte geltend machen können. 

Die zweite Anforderung ist, dass ein Rückversicherer eine Lizenz hat, um Versicherungsprodukte abzuschließen. Diese Lizenz muss kontrollierbar sein in dem Land, in dem der Versicherer seinen Sitz hat und in dem Land, in welchem er diese Rückversicherung anbietet.

Die dritte Forderung ist, dass der Versicherer eine Bewertung von einem anerkannten und unabhängigen Institut erhalten hat: Moody’s, Fitch, Standard & Poors, AM Best ... usw. Dun & Bradstreet (die häufig angeführt werden !!!) gehören sicher nicht dazu, da sie nicht selbstständige Nachforschungen nach den Zahlen, die sie erhalten, verrichten.

Bis zum Beweis des Gegenteils wage ich die Behauptung aufzustellen, dass keine einzige Rückversicherung weltweit auf dem Markt für Life Settlements aktiv ist, die diese Kriterien erfüllt.

Es gibt durchaus Finanzinstitute, z. B. Investmentbanken, die Finanzierungsregelungen auf Life Settlement-Portfolios treffen und beispielsweise Einlage- oder Bankgarantien abgeben. In so einem Fall reden wir jedoch nicht von mit ‚A’ bewerteten Rückversicherern, sondern von Garantieprodukten.

ETHIK

„Life Settlement-Anlagen sind unethisch“

Obenstehende Behauptung hat vor allem mit Unverständnis gegenüber dem Produkt und einer allgemeinen Erlebniswelt zu tun, in der kein Platz für die Realität ist, dass Sterben zum Leben gehört.

Es gibt zahlreiche Menschen, die mit dem Tod anderer Menschen Geld „verdienen“ (z. B. Begräbnisunternehmer, Florist, Grabsteinmetz, usw.)

Der Kreis ist jedoch noch viel größer. Jeder, der eine Pensionsregelung oder eine Lebensversicherung hat, profitiert vom Tode eines anderen. Der frühe Tod des einen finanziert den versicherten Betrag oder das Pensionskapital des anderen. Dies ist bereits seit Jahrhunderten so.

Life Settlements ist ein Produkt, das auf dem Handel in Lebensversicherungen basiert. Mit dem Abschluss einer Lebensversicherung entsteht ein finanzielles Interesse am Tode eines anderen, nicht durch deren Verkauf.

Mit Life Settlements wird der Wert einer Lebensversicherungspolice sichtbar und verhandelbar. An der Police selbst ändert sich jedoch nichts.

Aus diesem Grunde ist es Unsinn zu behaupten, dass Life Settlements an sich unethisch wären. Die zu führende Diskussion wäre, ob Lebensversicherungen unethisch sind. Ich denke, dass wir dies in der Zwischenzeit geklärt haben.

„Wenn jemand ein finanzielles Interesse am Tod eines anderen  hat, führt dies unweigerlich zu Problemen.“

Wie bereits ausgeführt, entsteht das finanzielle Interesse am Tod eines anderen beim Abschluss der Versicherung, nicht durch den Handel damit.

Nichtsdestotrotz kann man nicht leugnen, dass ein Interesse entsteht. Insbesondere der amerikanische Versicherte kann sich bei diesem Gedanken sehr unwohl fühlen. Aus diesem Grund platzieren professionelle Broker ihre Policen bei professionellen Anbietern, die ihrerseits die Life Settlements vorzugsweise bei den Verwaltern großer Portfolios platzieren. Auf Grund des Umfangs und der Verteilung der Portfolios ist das Interesse einer individuellen Police für die Leistung des Ganzen eingeschränkt.

Wenngleich es gängige Praxis ist, Policen bei professionellen Verwaltern und professionellen Parteien (z. B. institutionellen Finanziers, Hedge-Fonds, Pensionsfonds und Versicherern) zu platzieren, gibt es noch stets Parteien, die für den Handel eins-zu-eins Life Settlements anbieten. Diese Praxis ist äußerst unerwünscht und belastet die Anbieter mit einer großen Verantwortung, die Identität und Privatsphäre des Versicherten zu schützen.

„Zu Problemen führen“? Glücklicherweise hat sich dies innerhalb der Branche mit mittlerweile hunderttausenden verhandelten Policen noch nie bewahrheitet.

Die Verschiebung in Richtung von Portfolios, die von professionellen Parteien verwaltet werden, muss dies in Zukunft auch ausschließen.


SONSTIGE

„Im Jahre 2006 wurden 15 Milliarden US $ in Life Settlements investiert.“

Der Umfang der Life Settlement-Branche ist äußerst undeutlich. Sogar der Life Insurance Settlements Association („LISA“) gelingt es nicht, den Umfang korrekt zu berechnen. Nicht alle Anbieter und Finanzierungsinstanzen sind Mitglied der LISA und nicht alle Mitglieder geben ihr Volumen an. Aus diesen Gründen bleibt der Umfang des Marktes eine Schätzung.

Der letzten Schätzung der LISA zufolge betrug der Markt im Jahre 2006 übrigens 12 Milliarden US $. Frühere Schätzungen gingen von 15 Milliarden US $ und sogar 18 Milliarden US $ aus. Wer über genauere Angaben verfügt, darf diese gerne mitteilen. Es zeigt sich jedoch deutlich, dass der Umfang enorm zugenommen hat und dass der Handel jedes Jahr noch weiter ansteigt.
Ein großes Missverständnis ist jedoch, dass die 12 Milliarden US $ nicht der investierte Betrag ist, sondern die Summe der entsprechenden versicherten Beträge.

Zahlungen an den Broker/Versicherten einer Police betragen einer kürzlich von LISA durchgeführten Untersuchung zufolge durchschnittlich ca. 20 % des versicherten Betrages. Aufgrund des Preisanstiegs mag dieser Prozentsatz im Jahr 2007 unter Umständen etwas höher liegen. Dies bedeutet, dass die tatsächlichen Zahlungen an den Broker/Versicherten in diesem Produkt ca. 2,4 Milliarden US $ betragen (auf der Grundlage der 12 Milliarden US $ an versicherten Beträgen). Die letztendlichen Investitionen der Endinvestoren werden ca. 50 % bis 100 % höher liegen als dieser Betrag auf Grund der Kosten der Anbieter, Dienstleister, Finanzierungsinstanzen, insbesondere jedoch wegen der Prämienreservierungen. Dies erlaubt eine Schätzung des Brutto-Gesamtumsatzes auf 3,6 bis 4,8 Milliarden US $, was noch stets recht umfangreich ist. Auch der starke Anstieg bleibt eine Tatsache.

Die Größe des Marktes wird im Allgemeinen mit der Summe der verhandelten versicherten Beträge angegeben, nicht mit den wirklichen Investitionen der Investoren.

„Der Clinton-Act hat den Handel in Life Settlements ermöglicht.“

Vermutlich auf Grund des positiven Images von Bill Clinton in Europa hörte sich diese Aussage gut an und wurden von Seiten der Vereinigten Staaten wenig Anstrengungen unternommen, diesen Eindruck zu korrigieren. Es gibt jedoch keinen „Clinton-Act“. Im Allgemeinen wird hiermit auf die HIPAA-Gesetzgebung verwiesen, die im Jahr 1996 verabschiedet wurde.

Die Begünstigung Dritter im Tausch für Geld ist bereits seit 1911 erlaubt. In einem Prozess der Erben Burchard (lies: Russell) gegen den Arzt Grigsby wurde geurteilt, dass Dr. Grigsby, der die Police seines Patienten Burchard erworben hatte, in der Tat Anspruch auf die Erträge aus dessen Lebensversicherung hatte (Grigsby vs Russell).

Ende der 80er Jahre fand bereits ein beträchtlicher Handel in „viaticals“ statt. Dies widerspricht der Behauptung, dass Clinton im Jahre 1996 den Handel legalisierte.

Alle, die mit Life Settlements arbeiten, müssten dies verstehen. Seit 1911 gibt es bereits eine Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes, die die Verhandelbarkeit von Policen genehmigt.

„Aufgrund des Clinton-Acts können Versicherte die Rendite steuerfrei erhalten.“

Diese Art Missverständnis ist höchstens ärgerlich, aber nicht schädlich. Dieses Märchen stimmt zwar teilweise, ist jedoch nicht relevant, wenn es um (Senior) Life Settlements geht. 

In der HIPAA-Gesetzgebung (die im Grunde die Reform des Gesundheitswesens in den Vereinigten Staaten betraf) wurden am Ende einige Artikel aufgenommen, die schwer erkrankte Menschen betrafen. Dies können sowohl terminale Patienten sein (mit einer Lebenserwartung von weniger als 24 Monaten) als auch unter strengen Voraussetzungen chronisch kranke Patienten. Für diese Patienten wurde in der Tat festgelegt, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen die Erträge aus dem Verkauf ihrer Lebensversicherung steuerfrei für ihre medizinische Versorgung anwenden dürfen.

Es gibt somit durchaus in der amerikanischen HIPAA-Gesetzgebung eine Regelung, die es schwer erkrankten Patienten gestattet, unter strengen Voraussetzungen den Ertrag steuerfrei anzuwenden. 

Da jedoch nahezu jeder angibt mit Senior Life Settlements zu handeln und nicht mit Viaticals, ist der Hinweis auf diese Gesetzgebung zumindest irrelevant.